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Konjunktiv 2 bilden | Schwierige Formen, die Kopfzerbrechen bereiten

Konjunktiv 2 bilden stellt Sprecher des Deutschen oftmals vor Schwierigkeiten, besonders wenn es im Alltag schnell gehen muss. Wir verraten einige einfache Regeln und Hintertüren, die die Handhabung erleichtern. 

Der Konjunktiv 2 ist nicht gerade in aller Munde. Als Konjunktiv Irrealis drückt er Unwahrscheinliches aus und dient in der indirekten Rede dazu, wenn man das Ausgesagte anzweifeln möchte. Meistens wird dieser Satzmodus jedoch einfach nicht gebraucht: Man empfindet ihn im einfachen Zwiegespräch vielleicht als gestelzt, manchmal weiß man auf die Schnelle nicht, wie die Form richtig gebildet wird. Es kommt jedoch vor, dass es ohne nicht geht und dann ist guter Rat teuer. Heißt es zum Beispiel es gälte oder es gölte das Heimrecht? Zweifel oder falsch konjugierte Formen sind dann nicht nur peinlich, sondern können sich im beruflichen Alltag auch negativ auswirken.

Zum Glück gibt es einfache Regeln, die die Bildung des Konjunktiv 2 erleichtern. Merken Sie sich Folgendes: Wenn Sie schnell einen Konjunktiv 2 bilden müssen, denken Sie einfach daran, dass die zweite Möglichkeitsform auch Konjunktiv Präteritum genannt wird – und genau daraus wird der Konjunktiv 2 gebildet. Doch sollten dennoch alle Dämme brechen, bietet die deutsche Sprache im absoluten Zweifelsfall einen ganz leichten Ausweg. 

Konjunktiv 2 bilden II schwierige Formen, Konjunktiv von haben werden
Konjunktiv 2 bilden bereitet oftmals Kopfzerbrechen.

Konjunktiv 2 bilden - Grundlagen

Je unregelmäßiger die Verben sind, umso schwerer fällt die Bildung des Konjunktiv 2. Zur Wiederholung: Regelmäßige Verben sind solche Verbformen, bei dem der Stammvokal sowohl in der Einzahl als auch in der Mehrzahl gleich bleibt. Am Verbstamm wird lediglich eine Endung angehängt. Man nennt sie darum auch schwache Verben, weil durch die Beugung kaum eine Veränderung eintritt. Die folgende Tabelle zeigt einige regelmäßige Verben und ihre Stammformen: 

Nennform Präteritum Partizip 2
spielen
spielte
gespielt
bauen
baute
gebaut
drücken
drückte
gedrückt

Die gute Nachricht ist, dass regelmäßige Verben die häufigste Verbart des Deutschen sind. Doch zurecht heißt es, Deutsche Sprache, schwere Sprache, denn es gibt dennoch eine lange Reihe von Verben, die unregelmäßig konjugiert werden. Dazu zählen die starken Verben ebenso wie die gemischten Verben. Gemischte Verben sind solche, die zwar einen Wechsel des Stammvokals mit sich bringen, jedoch im Partizip 2 schwach gebeugt werden. Starke Verben hingegen wechseln den Stammvokal und haben mit –en eine starke Flexionsendung im Partizip 2. Manchmal haben sogar alle drei Stammformen unterschiedliche Vokale. Die Tabelle zeigt eine gemischte und eine starke Verbform:

Nennform Präteritum Partizip 2
brennen
brannte
gebrannt
brechen
brach
gebrochen

Während der Konjunktiv 1 relativ problemlos gebildet werden kann, indem man an die Verbwurzel der Nennform einfach ein schlichtes -e anhängt wie zum Beispiel spiel- e, bau -e, drück -e, so muss zur Bildung des Konjunktiv 2 die zweite Stammform eines Verbs bekannt sein, denn davon leitet sich der Konjunktiv 2 ab. 

Wie wird Konjunktiv 2 gebildet?

Wenn Sie Konjunktiv 2 bilden, unterscheiden Sie zwischen starken und schwachen Verben. Für alle Verben gilt: Nimm den Wortstamm der 3. Person Einzahl Präteritum wie zum Beispiel ließ und hänge ein –e dran. Aus der Form (er) ließ wird ließe

Er sagte, er ließe sie niemals im Stich. 

Bei den schwachen Verben stimmen die Indikativform und die Konjunktivform im Präteritum vollkommen überein. Das kann dazu führen, dass die Unterscheidung der beiden Verbmodi schwerfällt – insbesondere wenn aus dem Kontext nicht klar wird, ob nun Vergangenheit oder Möglichkeitsform bzw. Distanzierung gemeint ist. 

Er behauptete lässig, er baute einen Wolkenkratzer mit bloßen Händen. Zur Lösung dieses Problems nach unten

Starke Verben nehmen ebenfalls den Wortstamm der 3. Person Singular Präteritum und hängen ein -e dran. Damit nicht genug, erhalten unregelmäßige Verben mit a/o/u oft einen Umlaut: 

finden (fand) – fände | kommen (kam) – käme | betrügen (betrog) – betröge

Probleme treten auf, wenn Konjunktiv 1 und Konjunktiv 2 die gleiche Lautqualität haben, also identisch klingen. In der Schriftsprache ist das durch Umlautkennzeichnung kein Problem, in der gesprochenen Sprache jedoch sehr wohl. Das folgende Beispiel verdeutlicht die Problematik:

Der Minister sagte, es gelte/gälte der Ausnahmezustand bis Ende des Monats.

Spricht man den Satz aus, klingen beide Varianten gleich. Die Sprache hat jedoch einen Ausweg geschaffen und bietet fürs Konjunktiv 2 bilden eine weitere Möglichkeit:

Der Minister sagte, es gölte der Ausnahmezustand bis Ende des Monats.

Dass die deutsche Sprache hier eine Hintertür offen lässt, ist eine  gute Sache, jedoch stellen solche Doppelformen vor allem jene Sprachbenützer vor Schwierigkeiten, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben. Besonders wenn man keine Zeit hat, lange zu überlegen oder gerade keine Möglichkeit besteht, in Duden oder Internet nachzuschauen, steht man dann vor einer Sackgasse. Doch auch hier bietet sich ein einfacher Ausweg: die Umschreibung des Konjunktiv 2 mit würde + Nennform.

Schwierige Konjunktive 2

Nennform Konjunktiv 1 Konjunktiv 2
schmelzen
schmelze
schmölze
schaffen
schaffe
schüfe
gelten
gelte
gälte/gölte
lassen
lasse
ließe
streiten
streite
stritte
schreien
schreie
schriee

Eine Liste schwieriger und häufig verwechselter Verbformen finden Sie hier.

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Hintertür: Umschreibung mit "würde" + Nennform

Bevor Sie einen falschen Konjunktiv 2 bilden, bliebt im Zweifelsfall immer noch die Umschreibung mit dem zusammengesetzten Konjunktiv 2 “würde” + Nennform. Tut man sich also schwer, den Konjunktiv 2 schnell zu bilden oder ist man nicht sicher, welche Form korrekt ist wie im Beispiel gälte/gölte, dann kann auch ganz leicht umschrieben werden:

Der Minister sagte, es gälte/gölte der Ausnahmezustand bis Ende des Monats.

Der Minister sagte, es würde der Ausnahmezustand bis Ende des Monats gelten.

Die Umschreibung kann übrigens auch verwendet werden, wenn Indikativ Präteritum und Konjunktiv 2 identisch sind, wie im Beispiel weiter oben: 

Er behauptete lässig, er baute einen Wolkenkratzer mit bloßen Händen.

Er behauptete lässig, er würde einen Wolkenkratzer mit bloßen Händen bauen.

Hilfsverben sein, haben, werden

Zum Schluss noch der Hinweis auf eine weitere Tücke des Konjunktivs im Deutschen. Neben den bereits angeführten unregelmäßigen Verben, bereiten vor allem die Hilfsverben sein, haben und werden Schwierigkeiten beim Konjunktiv 2 bilden, aber auch bereits der Konjunktiv 1 hat seine Tücken. Während der Konjunktiv von haben und werden noch mit der gleichen Regel wie oben gezeigt zu bilden ist, bereitet der Konjunktiv 1 von sein manchmal Kopfzerbrechen: Wie aus dem nebenstehenden Flexionsparadigma abzulesen ist, stellt sein nämlich den Inbegriff der Unregelmäßigkeit dar, weil die Personalformen nicht nur von einem Vokalwechsel betroffen sind, sondern je nach Person auch den Anlaut ändern. Auch die Stammformen wechseln Stammvokal und Anlaut-Konsonanten. Diese Unregelmäßigkeiten sorgen dann oftmals für Verwirrung.

sein/haben/werden - Stammformen

Nennform Präteritum Partizip 2
sein
war
gewesen
haben
hatte
gehabt
werden
wurde/ward
geworden

De facto ist im gegenwärtigen Sprachgebrauch nur noch die Verbform sein im Konjunktiv 1 in allen Personalformen üblich. Bei allen anderen Formen verwendet man heutzutage meist nur noch die Konjunktivformen der 3. Person Einzahl (es/sie/es/man).

ich sei, du sei(e)st, er sei / wir seien, ihr seiet, sie seien

Beim Konjunktiv 2 verhält es sich gleich: 

ich wäre, du wär(e)st, er wäre / wir wären, ihr wäret, sie wären.

sein/haben/werden - Konjunktive

Nennform Konjunktiv 1 Konjunktiv 2
sein
sei/seiest/sei/seien/seiet/seien
wäre/wärest/wäre/wären/wäret/wären
haben
habe
hätte
werden
werde
würde

Es zeigt sich also, dass schnelles Konjunktiv 2 bilden gar nicht so schwierig sein muss, wenn man sich einige Regeln und Hintertürchen merkt – wie zum Beispiel die einfache Umschreibung des Konjunktiv 2 mit würde. Gerade weil das Verb sein sehr oft gebraucht wird, empfiehlt es sich aufgrund der einzigartigen Eigenschaften, das Flexionsparadigma auswendig zu lernen. Wer den Satzmodus Konjunktiv aus dem Effeff beherrscht, vermeidet nicht nur unangenehme Situationen im Alltag, sondern weist sich auch als Kenner der deutschen Sprache aus.

Flexionsparadigma sein

Präsens
ich
du
er/sie/es
wir
ihr
sie
bin
bist
ist
sind
seid
sind
Präteritum
ich
du
er/sie/es
wir
ihr
sie
war
warst
war
sind
wart
waren
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