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Besser Schreiben lernen | 18 hilfreiche Tipps, um Texte besser zu formulieren

Gute Texte schreiben sich nicht von selbst. Wer besser schreiben lernen will, braucht Geduld, Ausdauer und entsprechendes Know-How. Darum lehrt dieser Artikel anhand 18 hilfreicher Tipps alle wichtigen Basics, damit Sie Ihrem Ziel näherkommen und Texte besser formulieren können.

Besser schreiben zu lernen und dadurch bessere Texte schreiben zu können, ist ein lohnenswertes Ziel. Der Alltag zum Beispiel wird in vielem erleichtert, wenn man Texte besser formulieren kann – sei es bei der Arbeit im geschäftlichen E-Mailverkehr oder im Privaten, wenn man sich den schönen Dingen zuwenden und literarisch Schreiben möchte. 

Warum besser Schreiben lernen?

Besser Schreiben lernen für den Beruf

Nicht nur in Führungspositionen ist es vorteilhaft, wenn Sie besser Texte schreiben und formulieren können, denn schließlich hängt Kundenerfolg besonders auch an klarer und verständlicher Kommunikation zwischen den Geschäftspartnern. Wenn obendrein noch Ihr Schreibstil überzeugt, dann legen Sie mit Sicherheit einen professionellen Auftritt in Sachen Geschäftskommunikation hin.

Besser Schreiben lernen fürs Studium

Besonders für das wissenschaftliche Schreiben sowohl für Studierende als auch im richtigen Wissenschaftsbetrieb sind klare strukturierte Texte das absolute A und O. Umso wichtiger ist es, Seminar- und Hausarbeiten sowie wissenschaftliche Abschlussarbeiten und Journalartikel von A bis Z zu planen und entsprechend zu formulieren. Ihre Leser werden es Ihnen außerdem danken, wenn Sie komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte möglichst verständlich näherbringen. Verwinkelte Schachtelsätze hingegen überzeugen niemanden – und schon gar nicht Ihren Betreuer.

Besser Schreiben lernen für den Alltag

Postkarten, Liebesbriefe, E-Mails: Für den Alltag gibt es mehr Textsorten als man denkt. Wer gut schreibt und in Übung ist, formuliert alles Mögliche im Handumdrehen, während andere Stunden dafür aufwenden, um einen schönen Weihnachtsgruß zu formulieren. Abseits dieser eher praktischen Textsorten kribbelt es vielleicht schon länger in Ihren Händen: Sie möchten endlich einmal eine Geschichte schreiben. Wer schreibfit ist, kann gleich loslegen und der kreativen Ader freien Lauf lassen. Wer sich allerdings ständig im Texten verhakt, verliert schnell Inspiration und Freude.

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Planung, Fleiß, Begeisterung – so lernt man Schreiben.
Berger

Martin Berger

Textprofil, Schreibtrainer
Bessere Schreibkenntnisse erleichtern den Alltag.
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Über das Schreiben lernen

Die wichtigsten Voraussetzungen, wenn Sie besser Schreiben lernen möchten, sind entsprechendes Know-how und der Wille zum Fleiß – egal, ob Schreiben für den Alltag, journalistisches Schreiben oder die Königsdisziplin literarisches Schreiben. Denn Ihre Schreibfähigkeiten entwickeln sich nicht über Nacht. Einen schönen, individuellen Stil formt die Zeit, ebenso wie es am Anfang Geduld erfordert, gute Formulierungen zu finden.

Wohlgeformte Formulierungen allein machen jedoch noch keine guten Texte. Besser Schreiben heißt auch, dass man strategisch vorgeht und etwas Denkarbeit erledigt, bevor man mit der Schreibarbeit loslegt. Wer sich nämlich erst während des Schreibens Gedanken darüber macht, was aufs Papier kommen soll, verzettelt sich höchstwahrscheinlich. Im schlimmsten Fall muss der Schreibversuch dann abgebrochen werden.

Schreiben ist ein Handwerk!

Es liegen also scheinbar einige Steine im, wenn Sie besser im Schreiben werden möchten. Doch die gute Nachricht ist, dass Sie mit jedem Schreibversuch an Schnelligkeit und Geschicklichkeit zulegen. Wenn Sie viel und oft Schreiben, gehen die Dinge einfach leichter von der Hand. Sie bilden immer mehr Know-how aus, Schreibtechniken gehen in Fleisch und Blut über, Vertextungsstrategien behrrschen Sie aus dem Effeff. Schreiben ist – trotz oftmals gegenteiligen Meinungen – ein Handwerk. Und ohne Lehrzeit erlangt man kein Handwerk – so heißt es.

Darum widmet sich unser Schreibratgeber sowohl der Textplanung als auch dem Schreibhandwerk – also wie Sie besser Texte schreiben. Im ersten Teil lernen Sie die Grundlagen, um Texte besser zu formulieren – angefangen bei der Themenfindung über die Recherche bis hin zur Erstellung einer erfolgsversprechenden Textstruktur. Nachdem Sie einen Textplan erstellt und erfahren haben, welche Probleme beim Schreiben von Texten lauern, geht’s ans Schreiben lernen. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihren Schreibstil verbessern können. Dazu erklären wir, wie man ein Thema so entfaltet, dass der berühmte rote Faden entsteht, wie man aussagekräftig schreibt und Leser mit konkreter Wort-Materie begeistert. 

Danach geht es an den Satz und die richtige Wortwahl. Lernen Sie, wie man Substantive, Verben und Adjektive richtig kombiniert und wie man Idealpaarungen entwirft. Schließlich zeigen wir Ihnen bewährte Figuren aus der Rhetorik, die das Gesamtbild eines Textes noch einmal aufwerten können. Außerdem finden Sie zahlreiche nützliche Beispiele und Links, die dabei helfen, das Schreibhandwerk besser zu lernen.

Gute Texte schreiben – Grundlagen

1. Thema finden

Bevor man mit dem Schreiben beginnt, sollte man wissen, worüber man schreibt. Denn wie will man andernfalls Texte besser formulieren? Texte, die planlos begonnen werden, verschaffen der Seele Erleichterung, werden aber leider oft nicht zu Ende geschrieben. Wer Texte für ein Publikum schreibt, sucht sich am besten ein Thema. Man kann im Grunde über alles und jeden schreiben. Sie haben bereits ein Thema im Kopf? Sehr gut! Ist das nicht der Fall, durchstöbern Sie Zeitungen und Internet, schauen Sie aus dem Fenster, beobachten, was draußen passiert. Gibt es etwas, das Sie toll finden oder überhaupt nicht okay ist? Finden Sie etwas, dass Sie interessiert und auch andere Leser interessiert könnte.

2. Thema recherchieren

Nachdem ein Thema gefunden ist, notieren Sie zunächst alles, was Sie darüber schon wissen. Danach recherchieren Sie, was andere bereits darüber geschrieben haben, denn es wäre schade, wenn Sie später auf einen bereits vorhandenen Text stoßen, der Ihr Thema gleich behandelt. Alles, was Sie und Ihre künftigen Leser als relevant empfinden, notieren Sie einfach. Machen Sie sich noch keine Gedanken darüber, wie Sie die gefundenen Informationen später verwerten. Konzentrieren Sie sich darauf, was spannend, interessant, wissenswert, zum Himmel schreiend und brisant ist. Suchen Sie solche Infos, die Sie und Ihre Leser unbedingt weitererzählen möchten. Sammeln Sie Fakten, Daten und Zahlen, mit denen Sie später Ihre Gedanken und Theorien untermauern. 

3. Schlagwörter finden

Während der Recherche stoßen Sie auf viele Wörter, die in Bezug auf das Thema immer wieder vorkommen. Notieren Sie diese Wörter – egal, ob Substantive, Adjektive oder Verben. Oftmals erscheinen Schlagwörter in Paarungen zum Beispiel effektiver Klimaschutz, zügig voranbringen oder Strukturwandel einleiten. Themenrelevante Wörter und Wortkombinationen brauchen Sie später beim Schreiben Ihres Textes. Sie verleihen Ausdruckskraft, Relevanz und Fachkompetenz. 

4. Texte planen

Nur die Allerwenigsten schreiben einen hervorragenden Text einfach aus dem Handgelenk. Normalsterbliche Texter planen und strukturieren ihren Text. Bringen Sie also die Ergebnisse der Recherche und Schlagwörter in eine Ordnung. Überlegen Sie, welche Hauptaussage Ihr Text treffen soll und wie Sie Ihre Gedanken am besten untermauern. Ein Thema hat immer einige Unterthemen, die abgehandelt werden müssen. Beantworten Sie folgende Fragen für sich: Was steht darüber, was fällt darunter? Anhand dieser Überlegungen erstellen Sie ein Konzept, das Sie an Überschriften festmachen. Die Überschriften stehen dann für die einzelnen Kapitel Ihres Textes. Wenn Sie nach diesem Schema vorgehen, bekommt Ihr Text mit Sicherheit einen roten Faden.

Textplan

Textplanung, besser Texte formulieren, Probleme beim Schreiben von Texten

5. Gedanken ordnen

Haben Sie Ihre Kapitel erstellt, können  Sie mit dem Schreiben Ihres Textes beginnen. Oft ist es jedoch lohnenswert, wenn man nach Recherche und Planung erst einmal den Kopf freiräumt und etwas anderes tut. So kann das Gehirn die vielen neuen Informationen verarbeiten und ordnen. Vielleicht bemerken Sie, dass der eine oder andere Schwerpunkt anders gelegt werden sollte. Neue Gedanken und Ideen kommen dazu. Lassen Sie den Stoff auf sich einwirken und verwachsen Sie mit dem Thema. Und keine Sorge: Ein erstellter Plan kann leicht noch einmal geändert werden und dient in erster Linie dafür, dass Sie beim Schreiben eine Orientierung haben.

Probleme beim Schreiben von Texten

Schreiben als Ventil

Probleme beim Schreiben von Texten gibt es zuhauf. Besonders oft werden Texte wieder verworfen, wenn Sie aus einem spontanen Impuls entstanden sind. Kreative Schreiber kennen folgende Situation nur zu gut: Sie haben die Nase voll, Sie können nicht mehr länger zuschauen – jetzt muss es raus! Menschen brauchen ein Ventil zum Dampfablassen, sonst läuft das Fass über. Schreiben ist nach unserem Ermessen neben Sport und Musik ein besonders geeignetes Mittel, um der Seele Erleichterung zu verschaffen. 

Doch wenn der Hut brennt, wer erstellt da noch ein Textkonzept, eher er sich hinter die Tastatur klemmt. In der Einleitung haben wir erwähnt, das sich spontane Schreibversuche häufig verzetteln und abgebrochen werden. Grund dafür ist, dass der spontane Schreibfluss irgendwann versiegt und es danach an Ideen und Themen fehlt, mit welchen Sie den Text – sofern es keine Kurzgeschichte ist – weiter formulieren können. Dann stellt sich Frust ein und der Text landet im Papierkorb.

Kreative Ader befriedigen

Aber was tun, wenn es in den Fingern schon kribbelt und man unbedingt seiner Kreativität freien Lauf lassen möchte? Kein Problem – manchmal muss es einfach raus, solange die Quelle sprudelt. Dann denken Sie nicht lange nach, sondern schreiben, bis die Finger glühen. Doch legen Sie unbedingt eine Pause ein, wenn Sie merken, dass der Strom zu tröpfeln und versiegen beginnt. Zumeist ist nämlich dann der Kopf völlig leer und was später noch aus der Feder kommt, ist meist das Papier nicht Wert, auf dem es geschrieben steht. Den Text, der bis dahin entstanden ist, können Sie später vielleicht als Romananfang verwerten und darauf aufbauend eine durchdachte Geschichte schreiben.  

Kreativen Schreibfluss kontrolliert entfesseln

Solcherart Probleme beim Schreiben von Texten bleiben Ihnen erspart, wenn Sie bereits im Vorfeld einen Plott und eine Kapiteleinteilung erstellt haben. So nämlich können Sie den kreativen Fluss nach Ihrem Ermessen steuern. Nehmen wir an, Ihre Geschichte hat vier Kapitel und Sie wissen im Groben, was jeweils darin erzählt werden soll. Trifft das zu, so können Sie gedanklich all Ihre Aufmerksamkeit darauf richten und egal, was Sie gerade tun oder wo sie gerade sind, Stichworte sammeln und Notizen machen. Das dauert zumeist nur einen Augenblick, doch wenn es ans Schreiben geht, sind diese Aufzeichnungen wertvoller als Gold. 

Stellen Sie Notizen und Stichworte nach und nach unter Ihre Kapitelüberschrift. Diese Prozedur kann Stunden, Tage oder Wochen fortgehen, je nachdem, welche Zielvorgaben Sie sich gesetzt haben. In Ihren Gedanken aber verdichten sich die Ideen immer mehr, bis es schließlich an der Zeit ist, alles zu entladen. Im Gegensatz zum spontanen Schreibversuch haben Sie nun allerdings eine Gedankenführung und und zahlreiche Notizen zur Hilfe. Sie werden sehen, wie leicht das Schreiben dann von der Hand geht, denn Sie haben den Schreibfluss reguliert und dennoch viele kreative Freiheiten.

Schreibstil verbessern

Bevor Sie daran denken, Ihren Schreibstil zu verbessern, bedenken Sie, dass es den einen guten Stil nicht gibt. Stil ist Geschmacksache und die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Was den einen stilistisch wohlgeformt erscheint, ist für andere kaum akzeptabel. Gehen Sie lieber davon aus, dass es zahlreiche Funktionalstile gibt, die für verschiedene Sprechergruppen passend sind. Fans von Fantasyliteratur sind zum Beispiel anderes gewohnt als Fans des Thrillergenres, während Leser von Boulevard-Zeitungen andere Stilansprüche haben als Leser des gehobenen Journalismus. 

Jeder Funktionalstil hat unterdessen entsprechende Merkmale. Denken Sie nur an den Behördenstil. Dieser ist voller verwinkelter und leserunfreundlichen Formulierungen:

Die Inverkehrbringung der Maschinen kann erst durch die Kenntniserlangung durch die Behörden erfolgen.

Stilwerte unterscheiden

Viele Wörter besitzen außerdem unterschiedliche Stilwerte. Manche gelten als gehoben, manche als salopp, andere wiederum sind regional – also landschaftlich – gefärbt. Duden Online zum Beispiel gibt zu den einzelnen Wortformen eine Gebrauchsempfehlung. Das Verb klauben etwa wird in Bayern und Österreich sowie in der Bergmannssprache bevorzugt verwendet. In einem High-Fantasyroman hat diese Form nichts verloren, in einer steirischen Tageszeitung würden sich Leser daran wohl nicht stören. 

Wenn Sie also Ihren Schreibstil verbessern möchten, überlegen Sie sich genau, was und für wen und welche Zielgruppe Sie besser schreiben möchten. Dementsprechend prägen Sie Ihren Stil aus und sind sich im Klaren darüber, dass Sie mit unterschiedlichen Stilwerten Unterschiedliches erreichen. Haben Sie erst den einen Stil perfektioniert, so wird es Ihnen danach nicht mehr schwerfallen, sich andere Funktionalstile erheblich schneller anzueignen.

6. Texte besser formulieren

Doch jetzt geht es endgültig ans Schreiben. Manchmal ist es gut, den passenden Zeitpunkt abzuwarten, manchmal ist es besser, wenn man sofort loslegt. Vertrauen Sie Ihrem Gefühl: Oft kommt die Idee für den ersten Satz unter der Dusche oder beim Zusammenräumen. Zögern Sie nicht, wenn Ihnen ein guter Einstieg eingefallen ist. Ist man gerade unterwegs, macht man sich ein Memo. Andererseits sollte man auch nicht zu lange auf eine Eingebung warten: Schrauben Sie die Erwartungen nieder, einen schlechten ersten Satz oder Absatz kann man später noch leicht korrigieren.

Weil Sie Ihren Text vorab geplant und eine Kapiteleinteilung erstellt haben, können Sie prinzipiell überall beginnen. Denken Sie den Text in Segmenten, die am Ende ein stimmiges großes Ganzes ergeben. Arbeiten Sie Kapitel für Kapitel ab. Widmen Sie jedem Textsegment ausreichend Aufmerksamkeit und machen Sie eine Pause, wenn der Kopf raucht. Bleiben Sie dran, wenn Sie gut im Schreibfluss sind. Switchen Sie ruhig auch einmal zwischen den Kapiteln hin und her, wenn Ihnen spontan ein Gedanke kommt, der besser in einen anderen Textabschnitt passt. Besonders hilfreich ist es, wenn Sie Ihre Schlagwörter und Wortkombinationen bereits vor dem Schreiben unter die Kapitel stellen. Danach greifen Sie einfach jedes Schlagwort auf und schreiben etwas darüber. Somit verweben Sie ein dichtes Textgefüge, das keine thematischen Lücken offen lässt.

7. Textthema entfalten

Eine bewährte Methode, um ein Textthema schlüssig zu entfalten, ist das Thema-Rhema-Modell der Prager Strukturalisten. Die Idee dahinter ist, dass jeder Satz aus zwei Teilen besteht: Thema und Rhema. Das Thema ist dabei der Gegenstand des Satzes, während das Rhema etwas über den Gegenstand aussagt. Im Satz Peter spielt Gitarre ist Peter das Thema und der Rest des Satzes das Rhema. Im darauffolgenden Satz wird nach dem Prager Modell das vorangegangene Rhema zum Thema, wie zum Beispiel Die Gitarre ist schwarz

Natürlich entsteht höchstwahrscheinlich kein schöner Text, wenn man sich blindlings an diese Regel hält. Doch die Idee dahinter ist gut: Man nehme ein themenrelevantes Schlagwort und schreibe darüber. Das kann nur ein einziger Satz oder ein ganzer Absatz sein. Daraus wiederum wird – sofern es notwendig ist – ein neuer Gegenstand gegriffen und beschrieben. Unter dem Strich eignet sich das Thema-Rhema-Modell bestens um aufkommende Fragen bezüglich eines Gegenstandes konsequent zu beantworten. Das Schema sieht wie folgt aus: Gegenstand-Frage-Antwort / Neuer Gegenstand aus Antwort-neue Frage-neue Antwort / usw.

Thematische Progression der Prager Schule

thematische Progression
Besser Schreiben lernen?
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8. Aussagekräftige Texte schreiben

Gute Texte zeichnen sich durch Klarheit aus und kommen schnell auf den Punkt. Aber wie schafft man das? In Ratgebern liest man oft, schreiben Sie nicht um den heißen Brei herum. Der Brei ist dabei das Wesentliche, das Herum ist überflüssige Info, leere Formeln und Füllwörter. Damit Leser im Text das Wesentliche klar vor sich haben, müssen Sie genau wissen, wovon sie schreiben. Je klarer Ihnen die Sache ist, umso besser wird das Publikum sie verstehen. Leere Formeln und Füllwörter versuchen jedoch nur Ahnungslosigkeit zu kaschieren. Drücken Sie also nicht herum. Fassen Sie einen klaren Gedanken und kleiden diesen in schöne Worte. Fahren Sie mit Ihren Lesern nicht im Kreis und vermeiden Redundanzen.

9. Machen Sie es greifbar

Es hilft beim Formulieren von Texten sehr, wenn man sich seine Leser wie Kinder vorstellt. Sie sind schnell zu begeistern, doch wenn man sie langweilt, dann werden sie ungehalten. Langeweile vermeiden Sie, indem Sie Punkt 8 beherzigen und darüber hinaus Gegenstände greifbar machen. Das gelingt, wenn Sie anschaulich, bestimmt und konkret schreiben. Anschaulich bedeutet, dass Sie Leser schwierige Sachverhalte anhand von Beispielen näherbringen. Bestimmt meint, geben Sie Ihren Lesern Regen und nicht Niederschlag, reichen Sie ihnen Birnen, Äpfel und Weintrauben und nicht Obst, verkaufen Sie Zimt, Curry und Dill anstatt von Gewürzen. Warum? Weil Sie Ihren Lesern dadurch Appetit machen. Konkrete Gegenstände ziehen uns hinein, lassen uns riechen, hören und sehen, während das Allgemeine und Unbestimmte unsere Fantasie wenig bis gar nicht anregt.  

10. Nur einen Bruchteil sagen

Geben Sie Ihren Lesern ausreichend Informationen, doch lassen Sie sie auch ein wenig mitdenken müssen. Ein klassisches Stilmittel dafür ist Pars-pro-toto. Dabei lässt man nur einen Bruchteil für ein Ganzes sprechen. Die Zeit titulierte einmal: Steter Tropfen höhlt den Schädel. Mit der Schlagzeile spielte man seinerzeit auf das Dilemma der alternativen Fakten an und verwies darauf, dass stetige Falschinfo eine darauf aufbauende Fake-Realität schafft. 

Zurück zu besser Schreiben lernen: Pars-pro-Toto schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Komplizierte Gegenstände, Begriffe und Diskurse, die man sonst in vielen Wörtern oder gar Sätzen hätte erklären müssen, werden erstens extrem vereinfacht. Darüber hinaus steigert diese Methode die Anschaulichkeit astronomisch, weil das Gehirn viel weniger Info verarbeiten muss. Aber aufgepasst: Achten Sie darauf, dass jener Bruchteil, den Sie wählen, auch tatsächlich repräsentativ für das Ganze steht – denn ansonsten versteht man gar nichts.  

11. Einfache Sätze formulieren

Manche Schreiber sind der Meinung, komplexe Dinge könnten nur in komplexen Sätzen beschrieben werden. Vielleicht stimmt das, doch machen Sie es Ihren Lesern nicht unnötig schwer. Manche Sachverhalte, die als schwierig gelten, müssen oft nur einmal richtig durchgedacht werden, damit man sie in einfacher Sprache wiedergeben kann. Strukturieren Sie also zuerst den Gedanken und darauf basierend formen Sie den Satz. Sie werden bemerken, dass es gar nicht so schwer ist. 

Um besser Texte zu schreiben, verwenden Sie daher einfache Sätze. Vermeiden Sie hingegen lange Satzgefüge – auch als Schachtelsätze bekannt – und eingeschobene Relativsätze. Formulieren Sie lieber Obwohl er eine Freundin hatte, ging Georg heute alleine aus anstatt zu schreiben: Georg, der eine Freundin hatte, ging heute alleine aus

Wenn es möglich ist, fassen Sie Umschreibungen in Nominalgruppen ein: Schreiben Sie Das Schwert des betagten Königs war stumpf geworden und nicht Das Schwert des Königs, der betagt war, war stumpf geworden.

Funktionsverbgefüge signalisieren Förmlichkeit, aber auch Umständlichkeit: zur Anzeige bringen, in Erwägung ziehen, Verzicht leisten sind die abstrakten Varianten von anzeigen, erwägen, verzichten. Entscheiden Sie selbst, mit welchen dieser Formulierungen Ihren Lesern besser geholfen ist.

Richtige Wortwahl

12. Benennen oder Umschreiben?

Wenn Sie Texte besser formulieren möchten, haben Sie auch ein Auge für die richtige Wortwahl. Schreiben lernen bedeutet nämlich auch, sich mit Wortbedeutungen und Stilwerten auseinanderzusetzen. Oder das treffende Wort in einem bestimmten Kontext zu ermitteln. Hauptwörter zum Beispiel sind die Säulen des Textes, geben dem Leser Anhaltspunkte und liefern Inhalte. Sie enthalten das Wesentliche, was unter einem Begriff oder sogar einem ganzen Themenkomplex verstanden wird – und geben diesem einen Namen. Am besten kann man das Wesen von Hauptwörtern verstehen, wenn man einen Artikel auf Wikipedia liest. Der Artikel hat ein bestimmtes Thema, zum Beispiel “Substantiv”. Nun kann alles Wissenswerte zu dem Thema und alles, was der Begriff bedeutet, nachgelesen werden. Der Begriff stellt jedoch nur die Spitze eines Eisberges dar. 

Darunter befinden sich zahlreiche andere Begriffe, die dabei helfen, dass der Oberbegriff “Substantiv” verstanden werden kann. Unterbegriffe sind häufig verlinkt und führen zu anderen Themen, die zu dem Themenkomplex gehören. Als Schreiber hat man nun die Wahl: Entweder man benutzt einen Oberbegriff und setzt voraus, dass Leser diesen in seiner ganzen Bandbreite verstehen, oder man umschreibt den Oberbegriff. Die Regel lautet also Benennen oder Umschreiben. Man könnte demnach formulieren: Substantive sind die Säulen des Textes oder Wörter, die Dinge benennen und Inhalte liefern, sind die Säulen des Textes.

Zugkräftige Hauptwörter verwenden

Schnell wird klar, worin der Unterschied liegt. Im konkreten Benennen von Dingen liegt Kraft. Ein Hauptwort bringt es auf den Punkt. Leser gewinnen den Eindruck, dass der Autor weiß, wovon er spricht. Umschreibungen hingegen sind umständlich und vermitteln Lesern genau das Gegenteil, nämlich dass man etwas darstellen möchte, was man selbst noch nicht richtig begriffen hat. Wenn Sie also Texte schreiben, ist Vorsicht geboten. Oft gibt es bereits einen Begriff zu einem Gedanken, den man zu Papier bringen möchte. Bevor man also ein “Ding” kompliziert umschreibt, lieber vorher recherchieren, was dazu schon geschrieben worden ist. 

13. Das perfekte Verb

Der Gedanke verlässt durch das Verb seine innre Wohnstätte und tritt in die Wirklichkeit über.

Wilhelm v. Humboldt

Humboldt kleidet in schöne Sprache, was Verben für die Sprache tun. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt jedes Satzes und setzen eine Handlung oder einen Gegenstand in Bewegung. Das Verb ist für Dynamik verantwortlich, es sorgt dafür, dass vor unserem geistigen Auge der Film abläuft. Laut Humboldt sorgen Verben dafür, dass Gedanken überhaupt erst in die Welt gesetzt werden können. Er verdeutlicht das, indem er schreibt: “Alle übrigen Wörter des Satzes sind tot daliegender, zu verbindender Stoff, das Verb allein ist der Leben enthaltende und Leben verbreitende Mittelpunkt.”

Das Verb also bringt Leben in den Satz. Logisch, dass ein Satz umso ausdrucksstärker und lebendiger erscheint, wenn auch das Verb entsprechende Kraft besitzt. Aber wie findet man kräftige Verben? Das Geheimnis lautet, nicht das Verb an sich erzeugt Lebendigkeit, sondern dass man das passende Verb für eine bestimmte Situation wählt. Wie sehr die richtige Wortwahl auf den Text auswirkt, zeigt das folgende Beispiel: Leo befindet sich im Garten klingt sehr förmlich. Leo ist im Garten klingt sehr schlicht und ungenau. Leo spielt im Garten ist besser. Leo tollt, juchzt, jubelt, plärrt, schreit im Garten entfacht das Kopfkino und setzt den Sachverhalt bestmöglich in Bewegung. 

Bedenken Sie, wenn Sie Texte schreiben, dass jede Situation, jeder Gegenstand und Sachverhalt nur einige wenige Verben an sich zieht, die ideal passen. 

14. Idealpaarungen – typische Wortverbindungen

Wie findet man aber ein Verb, das perfekt zu einem Substantiv passt? Besonders weniger geübten Schreibern fällt die richtige Wortwahl hier schwer. Nehmen wir zum Beispiel den Begriff Macht, den wir im Kontext eines politischen Machtwechsels in Szene setzen wollen. Welches Verb würden Sie dafür verwenden? Wenn Sie nicht sicher sind, schauen Sie im Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) nach. Dort finden Sie typische Verbindungen zu jedem gängigen Wort des Deutschen. In unserem Beispiel sieht das so aus:

In unserem Kontext würden zum Beispiel Paarungen wie an die Macht drängen, zur Macht verhelfen, die Macht an sich reißen, die Macht übernehmen oder an die Macht gelangen einwandfrei funktionieren. Es handelt sich dabei um Wortverbindungen die in der Schriftsprache etabliert und darum im gesamten deutschen Sprachraum akzeptiert sind. 

15. Und Adjektive?

Über Adjektive wird häufig geschrieben, dass man sie wenig bis gar nicht einsetzen soll. Vielleicht weil die konkrete Anwendung viele vor Rätsel stellt und daraus Verbindungen resultieren, die schräg oder pampig klingen. Sparsam und wohlüberlegt eingesetzt, können Adjektive jedoch mächtige Verbündete des Substantivs sein. Um eine gute Verbindung zu finden, empfiehlt sich wiederum das DWDS. Noch mehr Möglichkeiten für die richtige Wortwahl bietet jedoch ein Kollokationenwörterbuch. Kollokationen sind solche Verbindungen, die beim Sprechen nicht neu gebildet werden, sondern als Einheit abgerufen werden. Dementsprechend akzeptiert sind solche Verbindungen. Für unser Beispiel Macht finden sich eine Reihe von Verbindungsmöglichkeiten, die dabei hilfreich sind, Ihren Text besser zu formulieren:

Geistliche Macht, weltliche Macht, ungeheure Macht, unumschränkte Macht, eine finstere Macht, eine verbündete Macht usw. geben gängige Verbindungen ab, die fast immer passen. Außerdem finden Sie hier viele Ausdrücke, die mit dem Urbegriff verwandt sind. Mithilfe von typischen Wortverbindungen werden Textgefüge noch dichter und stimmiger. Nur nicht übertreiben! 

16. Leere Wörter meiden

Wie es Wörter gibt, die lebendig wirken und Ausdruckskraft ausstrahlen, so gibt es Wörter, die verbraucht, hohl und leer sind. Wolf Schneider nennt solche Wörter “bemooste Textbausteine”. Seine Empfehlung lautet, Wörter wie Aktivitäten, Herausforderung, Fokus, Inhalte, Innovation, Kreativität, Palette, Portfolio oder Synergie aus allen Texten fernzuhalten. Diese Wörter finden sich sehr oft in schlechten Pressetexten und werden im Grunde von Lesern ignoriert, weil sie keinen Wert mehr haben. Überlegen Sie, wie diese Wörter auf Sie wirken, und entscheiden dann, ob Sie damit die richtige Wortwahl treffen und Ihren Text verbessern – oder womöglich doch verschlechtern.

Rhetorik

17. Redeschmuck für bessere Formulierungen und Stil

Nicht zuletzt kann Redeschmuck in sinnvollen Maßen eingesetzt einen Text stilistisch aufwerten. Redeschmuck dient zur bildhaften Veranschaulichung und stimmigen Darstellung, die Leser und Hörer gleichermaßen emotional vereinnahmen soll. Rhetorischen Figuren sind meist sprachliche Spielereien, die einen gewissen Witz oder Charme haben. Außerdem erzeugen manche Figuren wie zum Beispiel Alliterationen sprachlichen Wohlklang, Metaphern und Personifikationen stehen für besondere Anschaulichkeit. Typisch für rhetorische Stilmittel ist, dass sie von Lesern und Zuhörern oft nur unbewusst wahrgenommen werden. Sprachlich kunstvolle Figuren ziehen das Publikum daher leicht in den Bann, während verunglückte Metaphern usw. einen Text holprig machen. Achten Sie darum genau, ob Ihr Redeschmuck stimmig ist – wenn Sie Zweifel haben, verzichten Sie lieber darauf oder wenden Sie einfach bewährte Formeln wie zum Beispiel Kind und Kegel oder hegen und pflegen an. 

Besser Texte schreiben - rhetorische Figuren

Figur Beschreibung Beispiel
Accumulatio
Anhäufung thematisch zusammengehörender Wörter
„Feld, Wald und Wiesen“; „Sonne, Mond und Sterne“
Allegorie
Bildliche Darstellung eines abstrakten Begriffs
"diese Frauengestalt ist eine Allegorie der Gerechtigkeit"
Alliteration
Gleicher Anlaut der betonten Silben aufeinanderfolgender Wörter
Kind und Kegel, Mensch Maier, Veni, vidi, vici
Metapher
Sprachlicher Ausdruck, bei dem ein Wort oder eine Wortgruppe aus seinem Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen, als Bild verwendet wird
Am Fuße des Berges, ein Meer aus Sand
Oxymoron
Innerer Widerspruch
heißkalt, bittersüß, Hassliebe
Personifikation
Zuweisung menschlicher Eigenschaften an Tiere, Gegenstände oder ähnliches
die Sonne lacht, Mutter Erde, Vater Staat
Tautologie
Eine Häufung, Wiederholung des Gesagten mit sinnverwandtem Wort. Beide Wörter enthalten die Bedeutung des Gesamtausdrucks.
hegen und pflegen, immer und ewig, angst und bange

18. Übung macht den Meister

Unser letzter Tipp ist, wenn Sie besser Texte schreiben möchten: Übung macht den Meister, denn das Genie steckt nicht im Handgelenk oder kleinen Finger, sondern offenbart sich durch Fleiß und Beharrlichkeit. Lesen Sie gerne auch Schreibratgeber von berühmten Autoren wie Stephen King und Elizabeth George oder auch Wolf Schneider.  Daraus können Sie viel mitnehmen, doch vertrauen Sie stets auf Ihre Instinkte. Was für King der einzige richtige Weg ist, mag für Sie eine Sackgasse sein. Sammeln Sie viele Informationen und schreiben Sie noch mehr. Finden Sie Ihren eigenen Weg, um ans Ziel zu kommen, dann macht Schreiben lernen Spaß und artet nicht in Krampf aus.

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